Plätze für Kinder im Stadtgebiet

Debatte entbrennt über mehr Kita-Plätze

 

FDP und ULG im Rat wollen anders als die Verwaltung Container nutzen.

 

Als Reaktion auf rund 90 fehlende Krippen- und Kindergartenplätze ab August fordert die Gruppe Unabhängige/FDP im Rat der Stadt Container als Übergangslösung. Das Schnell-Reaktionskonzept der Verwaltung schließt diesen Weg bewusst aus, setzt auf Neubau, Ausbau und vorübergehend erhöhte Gruppengrößen. Bürgermeister Matthias Nerlich hält Container für unwirtschaftlich, zumal der erhöhte Betreuungsbedarf nicht nur vorübergehend, sondern von Dauer sei.

 

FDP-Ratsherr Klaus-Peter Fischer beantragt gleichwohl, "umgehend Stellplätze für Kindergarten-Container zu ermitteln". Die sollen demnach vorrangig an bestehenden Kindertagesstätten oder auf Stellflächen stadteigener, bereits erschlossener Grundstücke aufgestellt werden. "Notfalls muss man auch auf private erschlossene Grundstücke im Stadtgebiet zurückgreifen, die angepachtet werden." Fischer verweist darauf, dass Großstädte wie Hamburg, Berlin oder Bremen Wohncontainer zu sehr niedrigen Preisen anbieten. "Die Verwaltung soll klären, ob ein Kauf solcher Container möglich ist."

 

ULG und FDP argumentieren: "Der hohe Betreuungsbedarf ist kurzfristig nicht durch bauliche Maßnahmen an bestehenden Gebäuden und Reaktivierung von aufgegebenen Betreuungsplätzen und schon gar nicht durch Neubauten zu erreichen." Zwar werde die Stadt längerfristig nicht um Neubauten herumkommen. Allerdings seien die hohen Kosten dafür im Haushalt nicht eingeplant, der schon jetzt das Ziel verfehle, ohne neue Schulden auszukommen, wie es Gruppenchef Jürgen Völke darstellt. Container seien für den Übergang günstiger. Als Beispiel führen ULG und FDP die Tagesstätte Epiphanias in Gamsen an: "Dort werden zwei Krippengruppen in vollständiger Ausstattung zu einem Mietpreis von 100300 Euro jährlich betreut."

 

Grundsätzlich kritisieren ULG und FDP, dass der Mehrbedarf an Betreuungsplätzen aus Sicht der Verwaltung einfach "vom Himmel falle". "Wir fordern daher, mehr als einmal im Jahr über die Entwicklung der Zahlen der zu betreuenden Kinder informiert zu werden", sagt Völke. Gerade durch die vielen neuen Baugebiete werde sich die Entwicklung vorerst nicht entschärfen.

Die Zahl der noch unversorgten Kinder differiert in der öffentlichen Darstellung. Hatte es ursprünglich geheißen, es fehlten 87 Plätze, nennt die Stadt selbst in einer Vorlage nach Abschluss der Anmeldefrist 130 unversorgte Anmeldungen. Realistisch ist nach Auskunft von Bürgermeister Matthias Nerlich allerdings eine Größenordnung von 90 fehlenden Plätzen. Der Unterschied ergibt sich dadurch, dass knapp 30 Familien keinen Platz an ihrer Wunsch-Tagesstätte gefunden haben. Dagegen gibt es an den über das Stadtgebiet verteilten Einrichtungen hier und da noch freie Plätze. Diese Kapazitäten in Abstimmung mit den Bedürfnisse der Familien auszunutzen, daran arbeitet der Fachbereich Jugend gerade. Dabei gilt exemplarisch: "Niemand soll aus der Südstadt nach Wilsche fahren", wenngleich nicht jedes Kind die nächstgelegene Tagesstätte werde nutzen können, so Nerlich. cf

GF Rundschau

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